Downloads die es niemals gab: Arcane Codex – Veruna Victor

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Während mich das Siedlerfest meines Heimatdorfes mit seiner Zeltmusik wach hält, kann ich die Zeit auch effektiv nutzen und etwas für die beliebte Rubrik Downloads die es niemals gab schreiben…

Die DORP ist ein ziemlich kreativer Haufen. Wir haben ständig irgendwelche verrückte Ideen, die wir miteinander diskutieren, ausprobieren und bisweilen sogar zu Papier bzw. in ein Schreibprogramm pressen. Vieles davon findet ihr in der Download-Sektion der DORP, aber nicht jede Idee und jedes Abenteuer von uns erreicht die Phase, in der man es mit anderen teilen kann. Als ich noch als Supporter für Arcane Codex unterwegs war, brannte es in mir, ein Szenario zu haben, dass in Veruna spielt, jenem stark römisch-inspiriertem Land in Kreijor. Das ganze sollte dann 2007 auf dem Dracon in Monschau testgespielt werden und kam auch gut an… auch wenn es über sechs Stunden dauerte, statt der geplanten drei bis vier. Aber so ist das bei ergebnisoffenen Sandkasten-Abenteuern…

Ich skizzierte ein Abenteuer, das möglichst viel von den Features des Landes zeigen sollte: stark urban geprägt, Arenakämpfe, Abneigung gegen Magie, Vorstellung der verunischen Überlegenheit / Arroganz, Intrigen, Geheimnisse und auch dämonische Einflüsse. Wie bekommt man das alles zusammen? Veruna Victor ging davon aus, dass ein reicher Veruner ein Länderturnier in der Hauptstadt abhält. Dazu wurden Champions aus diversen Ländern, vornehmlich ehemaligen Provinzen, geladen, die dann in der Arena gegeneinander antreten sollten. Das Turnier sollte natürlich zeigen, dass die Veruner die besten, stärksten und moralisch überlegensten sind, sprich: sie sollten gewinnen. Die Aufgabe der Spielercharaktere war es nun, genau dafür zu sorgen, ohne allerdings die Gegner offensichtlich (etwa durch Mord) aus dem Turnier zu nehmen. Man sollte also subtil vorgehen, denn Verunern ist eine gute Show wichtiger als der Gewinn ihres Champions…

Die Champions stellten sich in Probekämpfen gegen niedrige Gladiatoren vor, so dass die Spieler sich auch ein Bild von ihnen und ihren Fähigkeiten machen konnten. Dann began der investigative Teil. Und der war komplett frei, entlangehangelt an einigen Schwächen der Champions, die die Charaktere herausbekommen und ausnutzen konnten. So schickte die Untoten-Stadt Goremound einen Wiedergänger, der von Inquisitoren überwacht wurde. Dort trafen die Charaktere beispielsweise vor dem Kerker der Kreatur einen „weniger gemäßigten“ Inquisitor, der den Wachen versuchte klarzumachen, was für eine Abscheulichkeit sie dort beherrbergten. Was die Spieler nun daraus machten, lag  an ihnen. Befragen sie den Inquisitor und helfen sie ihm, einzubrechen und den Wiedergänger zu töten und schieben es ihm in die Schuhe? Meine Gruppe stimmte ihm öffentlich zu und peitschte ihn und einige der wankelmütigen Veruner dazu auf, das Gefängnis zu stürmen und das Wesen zu zerreißen. Ganz klar kein Attentat, sondern der Wille des Volkes gegen einen fiesen Untoten.

Beim Team Megalys, den Techniker-Halblingen, konnte der Kampfanzug manipuliert werden (sofern man sich in die gut gesicherte Festung der Tech-Gilde schleichen konnte), der Ritter aus Vargothien, der für seinen Jähzorn bekannt war, wurde in einer Tavernenschlägerei geschwächt. Der mutierte Echsenmensch wollte eigentlich nur antreten, weil er Geld für seinen Stamm braucht und lässt sich für Geld gerne besiegen, ist also bestechlich… und außerdem auf besondere Fleischlieferungen angewiesen… die man vergiften kann, wenn man es weiß. Kombiniert man das alles mit drakischen Bärenringern, arroganten hochelfischen Klingentänzern, wahnsinnigen, halbdämonischer Zwergenpriestern aus den Brachen, einem romantischen Fechter aus Aquitane mit seinem jungen Mündel, das man entführen kann und dem Plan der Untoten, den Champion der Veruner mit einer hübschen Vampirin gefügig zu machen, so haben die Spieler einen sehr, sehr großen Spielplatz, um sich auszutoben. Gewalt, Erpressung, Einbruch und auch Sex spielten bei der Lösung der Konflikte eine wichtige Rolle. Und stellt euch nur mal vor, wenn der Champion der Veruner nicht antreten kann, weil die Vampirin ihn bewusstlos gesaugt hat und einer der Spieler muss dann in seiner Rüstung für ihn in die Arena… großer Spaß… aber… ABER…

Die Struktur des Abenteuers machte es mir schwer, es niederzuschreiben. Der Aufbau als Sandkasten setzt entweder voraus, dass ich eine Unmenge an Informationen mitliefere, oder aber es so sehr freiformig zu machen, dass viel von dem besonderen Flair Verunas verloren gehen würde. Zudem hatte ich damals einfach noch nicht die Erfahrung mit solchen freieren Abenteuern, wie man sie bei Savage Worlds ja öfters findet. Da das Veruna-Quellenbuch ja nach wie vor nicht erschienen ist, konnte ich zum Flair und bei vielen Infos nicht darauf verweisen, also wäre mir nur Option 1 geblieben, damit ich mit dem Resultat zufrieden gewesen wäre. Einige Dinge, die bei mir beispielsweise nötig wurden waren Werte für die Wachleute des Wiedergängers und der Aufbau seines Kerkers, in dem er festgehalten wird, der Aufbau des Gladiatoren-Ludi, in dem der verunische Champion mit der Vampirin feierte und seine Pflichten vernachlässigte und der Wohnsitz der Dame.Nur hätten einige Gruppen diese Angaben eben nie gebraucht. Zudem ist es wirklich mühsam, für Arcane-Codex-NSCs zu erstellen, da bei steigender Kompetenz und Zahl der Schulstufen, auch das Offensivpotential zwar massiv zunimmt, nicht jedoch in gleichem Maße die Nehmerqualitäten. Auch das Balancing wäre problematisch, denn der Champion, der für die eine Gruppe ein mächtiger Gegner wäre, könnte für eine Gruppe vergleichbarer Erfahrung eine Witzfigur sein, die völlig zu Recht die Frage aufwerfen würde, wieso so jemand ein Champion des Landes ist. Der Umfang für ein wirklich nutzbares Abenteuer wäre enorm geworden

Auch während des Leitens sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die nicht gut geklappt haben. So war die Vorstellung der Champions zu Beginn VIEL zu lang… die Spieler konnten eine Viertelstunde oder so nur mir zuhören, wie ich erkläre, was in der Arena passiert (während die Charaktere Otternasen und Lerchenzungen knaberten und bestimmte Leute ausbooten oder bejubelten). Die Kämpfe die Spieler ausfechten zu lassen, bietet sich bei AC auch nicht wirklich an… weil ich nicht für ein paar Runden erwarten kann, dass der Spieler sich mit einem Charakter mit zehn oder mehr Kampfstufen und deren Wirkung auseinandersetzen möchte.

Das Leiten des Abenteuers liegt nun fast drei Jahre zurück und ich aktuell nicht mehr wirklich tief in Arcane Codex oder Veruna drin. Ich glaube nicht, dass es dieses Abenteuer einmal in der zuerst gedachten Form als Download geben wird, aber vielleicht findet der ein oder andere zumindest ja ein paar Ideen für seine Runde.

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