Der Fluch der letzten Sitzung

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dorp10Hallo zusammen!

Rollenspieler sind ja ein abergläubiges Volk und ich habe in meinem Leben auch schon echt bizarren Kram erlebt, von Leuten, die ihre Leute in Schlamm gebadet haben bis zu jenen, die kreischen, wenn der Spielleiter die Würfel eines Spielers berührt.
Aber wir haben einen Fluch, wir bei der DORP. Einen echten, unbezwingbaren und rational nicht zu begreifenden Fluch: Den Fluch der letzten Sitzung.

Ich glaube, wenn man es insgesamt nachzeichnet, haben wir vielleicht drei Viertel unserer Kampagnen zu einem Ende gebracht. Von diesem Viertel, das kein Ende fand, kann man aber sagen, dass nahezu alle Sitzungen nach der Sitzung vor dem Finale gescheitert sind.

Glaubt ihr mir nicht?

„Akashic Records“, unsere dritte Magus-Chronik? Eine Sitzung vor einem von Anfang an vorbereiteten Finale erlegt.
„Scarred Lands“, unsere erste D&D3rd-Runde, ist geplatzt, eine Sitzung, bevor die Spieler ganz klassisch die wirklich dicken Artefakte anwenden konnten.
Unsere Serenity-Kampagne? Die Spieler schweben gerade im Orbit eines Alliance-Labors, in dem die Lösung zur ganzen Mini-Kampagne schlummert.

Es gibt noch mehr Beispiele, aber das sind die, die mir ad hoc einfallen. Wie mag das also kommen? Die Gründe sind mannigfaltig. Es beginnt damit, dass ein großer Teil unserer Kampagnen länger läuft und daher immer mal wieder mit Umzügen kollidiert ist. Das etwa ist bei den ersten beiden Beispielen da oben passiert. Andere Runden wurden hinterrücks vom Alltag ermordet, etwa wenn Berufe zeitweise einfach zu viel Zeit einnahmen.
Aber warum immer gerade vor Schluss?!

Ich weiß es nicht und schließe daher auch einfach mit der einleitenden These: Wir sind verflucht.
Vielleicht seht ihr das anders, vielleicht habt ihr aber auch ähnliche Erfahrungen gemacht? Ist er gar ein nicht auf die DORP begrenzter Fluch, sondern einer, der die ganze Szene betrifft?

Wenn dem so ist – gebt uns doch mal Bescheid und erzählt von eurem Leid.
Ich hingegen schreibe jetzt direkt noch den Jubiläumsbeitrag für den kommenden Monat und verabschiede mich mit kurzen Worten:

Viele Grüße,
Thomas

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12 Antworten to “Der Fluch der letzten Sitzung”

  1. greifenklaue Says:

    ich spiel daher mittlerweile lieber Einzelabenteuer denn Kampagnen.

  2. KansukeX Says:

    Hey,
    ich kenne ganz genau, was du da beschreibst.
    Bei mir ist es eher ein bewusster Akt. Ich hab mich an den Char gewöhnt. Ich hab mich an die Gruppe gewöhnt. Ich will nicht, dass es einfach vorbei ist.
    Finale hin oder her, wenn da noch was ist, dass ausgespielt werden muss sind die Chars in einer Art Zeitschleife und existieren weiter.
    Wenn das Abenteuer zu ende ist, werden sie älter, setzte sich zur Ruhe, sterben, oder was auch immer…

    Bei mir, auf jeden Fall, ist es der selbe Grund, warum ich meist die letzten Folgen von Serien nicht schaue.
    Da hab ich dann immer noch was.
    Frasier arbeitet noch immer beim Radio in Seattle.
    Magnum cruised noch immer mit seinem Ferrari auf Hawaii herum.
    usw.

    Vielleicht ist es bei euch auch so, nur das es noch nicht bewusst gemacht wurde.

    MfG
    KansukeX

  3. TheClone Says:

    Also usnere Kampagnen sind meist „irgendwo“ verreckt. Zum Ende kamen sie selten oder nie. Aber wenn sie gestorben sind, dann irgendwo mittendrin, an keinem besonderen Zeitpunkt.

  4. cyberpunk2020 Says:

    Verlustangst? So könnte man ja noch mal weiterspielen?

    Überforderung des SL? Normalerweise ist der SL ja auch der Rundenorganisator. Wenn er selber ein wenig Angst vor dem Finale hat, drängt er vielleicht nicht so sehr aufs weiterspielen?

  5. Thomas Michalski Says:

    Hmm, Angst und Unwillen, das Ende zu vollziehen, kann es zumindest von meiner Seite aus eigentlich nicht sein, ich liebe (gute) Enden.
    Um bei den Serien zu bleiben – dieser epische Moment am Ende von „Angel“ in der Gasse, ganz gleich, wie offen das Ende dann war. Oder die letzte Einstellung von Millennium, der Wagen, die in die Ferne davonfuhr (und, eigentlich noch besser, das Ende der zweiten Staffel, das ja auch mal Serienende hätte sein sollen, und das auf einer ganz phantastischen Meta-Ebene mit weißem Rauschen endet) – toll!
    Umgekehrt hasse ich es, wenn Geschichten eben nicht bis zum Ende erzählt werden. „Firefly“, „Carnivale“ … all das, sehr ärgerlich. Im Rollenspiel genauso.

    Nee, das kann es nicht sein. Und dennoch ist es viel zu oft passiert…

    Viele Grüße,
    Thomas

  6. Arne Babenhauserheide Says:

    Geht uns bei einer Runde auch so. Ich habe Witchcraft geleitet (google „heidelberg erwacht witchcraft“) und die Chars sind direkt vor der Tingstätte, in der sie sich zwischen vielen Toten durch Magie und einem Sieg alter Nazigeister entscheiden werden müssen (die die Tingstätte tot halten wollen), und dann war ein Spieler einmal nicht da und unsere Gruppe hat die Konstellation geändert. Fazit: Wir sind immernoch genau da…

    Sonst passiert es bei uns eher, dass die Kampagnen einfach immer weitergehen 🙂

  7. TheClone Says:

    Vielleicht liegt es auch daran, dass man innerlich mit der Kampagne abgeschlossen ha,t besonders als SL. Es wird nicht mehr viel passieren, vielleicht noch eine Entscheidung, aber das absolut Meiste ist passiert. Vor allem als SL hat man seine Gedanken zuende gebracht und denkt nicht mehr länger darüber nach, was zu tun ist, es ist ja alles festgelegt. Man beschäftigt sich nicht mehr mit der Kampagne vergisst sie oder hängt zumindest nicht mehr mit dem Herzblut dran. Wie die letzten 10 Minuten eines Fußballspiels, bei dem eine Mannschaft mit 2 oder mehr Toren führt… da passiert _meistens_ nix mehr.

  8. Thomas Michalski Says:

    Naja, wobei ich mich dann auch wiederum eigentlich immer bemühe, für die letzte Sitzung noch etwas Großes im Petto zu haben, eine große, wichtige, moralische Entscheidung, einen wirklich epischen Endkampf; etwas, was den Charakteren noch mal arg viel abverlangt.
    Ich war nie ein Fan der Rückkehr ins Auenland, wenn ihr wisst, was ich meine ^^

    Viele Grüße,
    Thomas

  9. Arne Babenhauserheide Says:

    Die große Entscheidung u.ä. versuche ich auch immer am Ende zu haben – aber vielleicht ist gerade das der Grund: Angst davor, das Finale zu versauen, für das ich mir selbst hohe Ziele gesteckt habe.

    PS: Die Rückkehr ins Sarumauenland fand‘ ich klasse! „OK, ihr habt die Welt gerettet – und jetzt wird es persönlich“

  10. Thomas Michalski Says:

    Was ich an der Heimkehr immer mochte, das war der Aspekt des „Nicht-wieder-einpassen-könnens“, des Erkennens, dass, hat man einmal die weite Welt gesehen, das Auenland für einen selbst einfach nicht mehr das gleiche ist.
    Den ganzen Plot mit Saruman fand ich dagegen aufgesetzt; für mich war die Geschichte vorher schon vorbei.

    Viele Grüße,
    Thomas

  11. Arne Babenhauserheide Says:

    Meiner Meinung nach hätte alleine der Auenlandplot am Ende nochmal ein ganzes Buch ergeben können. Allerdings eher im Format von „Ein weiteres Hobbit-Buch“ als dem Abspann des Herrn der Ringe.

    Und hey, Sam hat sich wieder eingepasst. Nur Frodo und Bilbo waren schon zu sehr vom Ring ausgezehrt.

  12. Holger Says:

    Oh, wie es mich beruhigt, dass es nicht nur uns so geht!

    Ja, auch wir haben so etwas. Unsere eine Sci-Fi-Kampagne, die wir über sicherlich 7 Jahre gespielt haben braucht nur noch eine Sitzung! Ich wiederhole: 1 Sitzung! Alle Fäden sollen zusammengeführt werden und es soll eine Auflösung für eine wirklich epische Kampagne geben, aber… uns gelingt diese letzte Sitzung seit sicherlich 5 Jahren nicht. Klar, da ist dann Studium und Umzug und Arbeit und überhaupt dazwischen gekommen und mittlerweile hat sich unsere Runde in alle Winde verstreut, so dass es nochmal schwieriger wurde.

    Ähnliches bei unserer Beyond the Supernatural-Kampagne, die sicherlich nicht so lange lief bzw. läuft (ich hoffe zumindest, dass sie noch nicht zu Ende ist). Zwar hängen wir hier nicht am Kampagnen-Ende, sondern am Ende eines längeren Abenteuers mit einer wirklich wunderbaren Reise in eine Zwischendimension – noch eine Sitzung trennt uns von der Rückkehr nach sicherlich 10 langen Sitzungen. Aber was ist? Auch das kriegen wir nicht hin.

    Woran es liegt? Ja, sicherlich auch daran, dass unsere Gruppe wirklich verstreut ist. Aber in erster Linie auch diese Angst vor dem Ende bei uns. Denn wenn die Kampagne davor gut war, dann will man natürlich ein ebenso gutes Ende. Doch was, wenn es nicht so gut klappt? Ich glaube, das ist bei uns jeweils die Angst. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir diese Sitzungen doch irgendwann mal beenden können.

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