Das zerschmetterte Land: Die Jagd

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Frohe Weihnachten zusammen!

Wie versprochen gibt es heute, als unser Geschenk zur Weihnacht, meine einleitende Kurzgeschichte zu unseren kommenden Download „Das zerschmetterte Land“, der von Achim Sawroch ersonnen wird.
Insofern will ich heute Abend auch gar keine großen Worte mehr verlieren und gebe den Vorhang frei für Die Jagd.

Noch einmal überprüfte Gromburil den Sitz seiner Kettenhandschuhe. Sie saßen perfekt und legten sich kühl um seine schwieligen Finger, ganz so, wie es sein sollte. Jeder Fehler in der Vorbereitung, jede fahrlässige Unaufmerksamkeit könnte in den nächsten Minuten ihren Tod bedeuten.
Als er seine drei Gefährten musterte, sah er, dass sie es ihm gleich taten. Randrax richtete noch einmal seinen Volleisenhelm und überprüfte den Sitz der Eisenmanschetten, die verhindern würden, dass sich der massive Topf verdrehen und ihm die Sicht rauben würde. Karba zog prüfend jede ihrer vielen Wurfäxte aus den Laschen, damit keine von ihnen haken und sie so das Leben kosten könnte. Und Lirox, Armbrustläufer wie Gromburil selbst, ließ noch einmal etwas Öl auf das Gewinde seine Waffe tropfen. Danach trafen sich die kalten Blicke ihrer tief in den Höhlen versunkenen Augen. Zustimmung. Sie waren bereit.
„Sie nahmen uns die Erde.“ flüsterte Lirox die rituelle Formel. „Wir bringen ihnen Stahl.“ führte Randrax fort. „Sie nahmen uns das Leben.“ brummte Karba und Gromburil schloss, wie es Tradition war: „Wir tun es ihnen gleich.“

Weitere Worte waren nicht nötig. Wie todbringende Schatten huschten die vier Zwerge los, vom Geräusch der eisenbeschlagenen Stiefel und schweren Rüstungen begleitet. Sie hatten den Ort der Konfrontation gut gewählt, hatten sich lange auf diesen Tag vorbereitet. Gromburil und Lirox liefen links und rechts in zwei Seitenarme des Tunnelsystems, die sie letztendlich oberhalb der Höhle münden lassen würde, auf die Karba und Randrax nun zuhielten.
Gromburil spürte, wie es wärmer wurde und spannte sich innerlich an, denn das hieß, dass das Biest in seiner Höhle war. Jeden Moment würden die beiden ihre Position am Eingang erreicht haben, dann noch ein, zwei Herzschläge, und die Ablenkung würde zu–
Er kam nicht dazu, den Gedanken zu beenden. Vor ihm schlug, ohne jede Vorwarnung, ein gewaltiger Sporn aus dampfendem Stein und kochendem Magma durch die Tunnelwand. Wäre er einen Schritt schneller gewesen, so hätte er dort gestanden, wo nun das rotglühende Etwas den Stein, durch den es gerade geschlagen hatten, langsam zerschmelzen ließ.
„Es weiß dass wir kommen!“ brüllte er, seine Position ohnehin bereits verraten habend. Er wartete einen Moment, bis er einigermaßen sicher war, mit keinem zweiten Angriff rechnen zu müssen und legte dann alles in einen Sprint. Heißer Stein tropfte neben ihm herunter, verfehlte ihn aber und so war der Weg frei; er beeilte sich, die abgesprochene Position zu erreichen. Nun klirrte sein Mantel laut durch den Gang, aber das war jetzt egal. Der Mantel, ein Trencu nach Tradition seiner Vorfahren, reichte bis zum Boden und war vom Kopf bis zum Gürtel geschlossen, darunter wehte er offen. Vor allem aber bestand er von oben bis unten aus kleinen Metallplatten – eine flexible und doch massive Rüstung.
Er sah bereits das Ende des Tunnels, als die Bestie erneut einen Hieb in seine Richtung führte. Der Gang erbebte unter dem Aufprall und begann recht schnell in sich zusammen zu stürzen. Gromburil trat an, sprang ab und flog, die Füße voran und den Oberkörper aufrecht, durch den Trümmerregen hindurch ins Freie.
Vor ihm breitete sich die Höhle aus. Gegenüber hatte Lirox bereits seine Armbrust in Position, doch sein Blick blieb zunächst am Boden hängen. Dort stand er, der Elementardiener. Er glich einem Drachen aus flüssigem Magma, von gelegentlichen, erkalteten Steinplatten durchbrochen. Grauer Rauch und Dampf stiegen von seinem Leib empor, sein rotes Glühen erfüllte die ganze Höhle. Und offenbar hatte er Karba erwischt. Sie war auf eine seiner Klauen gespießt und überall rund um die Wunde warf ihre Haut Blasen, von der ungeheuren Hitze des Monsters verzehrt. Doch sie war ein Zwerg und lebte. Noch während das Monster sie langsam seinem Maul zuführte, zog sie eine Wurfaxt nach der anderen und schleuderte sie der Bestie in den Rachen. Der Schaden, den sie verursachte, war gering, aber sie starb kämpfen.
„Jetzt!“ Randrax Schrei brachte Gromburil zur Besinnung. Behänd ließ er das Standbein herab in den Felsboden fahren und richtete sich auf sein Ziel aus. Das Monster schien sich gerade noch zwischen den drei verbliebenen Zielen zu entscheiden, als Randrax vortrat.
„Für unser Volk!“ brüllte er, so laut es seine Stimmte trug und das Monster akzeptierte offenbar, ein tiefes Gurgeln ausstoßend, das Gromburil sogar in seinen eigenen Eingeweiden spüren konnte. Der Elementardrache schoss vor – und Lirox feuerte seine Armbrust ab. Surrend zog der Bolzen seine Bahn durch die Luft, rumpelnd die daran befestigte Kette hinter sich herziehend, und schlug laut donnernd tief in den Rumpf des Monsters ein. Sofort ruckte dessen Kopf herum – und Randrax tat seinen Teil, trat in seiner Vollplatte vor und rammte seine Doppelklingen-Doppelblatt-Axt in eines der Beine der Kreatur. Nur war Gromburil an der Reihe, feuerte seinen Bolzen ab und sah mit Freude, wie auch dieser sich in den Rumpf der Kreatur bohrte.

Zeitgleich mit Lirox schlug er den Haltebolzen quer durch die Kette und rannte wieder los. Von seinem Mantel klirrend umschwungen sprang über einen kleinen Absatz hinweg, landete lautstark und etwas unkontrolliert. auf einem kleinen Podest, dessen Position er zwar gekannt, aber beim Absprung nicht gesehen hatte. In einer Bewegung ging er in die Knie und ließ seinen Kettenrucksack von der Schulter vor seine Füße gleiten. Randrax lenkte das Monster noch immer erfolgreich von vorne ab, wenn auch das Metall seiner rechten Armschiene mittlerweile vor Hitze glühte. Nun hieß es hoffen, dass Lirox bereits die Position oberhalb von ihm erreicht hatte. Er jedenfalls hatte aus dem Rucksack genommen, was er nun brauchte.
Gromburil rannte los. Er sprang erneut und landete nicht wie erhofft auf dem Rücken des Elementardrachen, sondern eher etwas weiter unterhalb. Er hielt die Balance, als das Vieh ihn mit einem Schwanzhieb abschütteln wollte, wenn auch nur, weil es noch immer vergeblich versuchte, sich von den Bolzen zu befreien. Er bahnte sich seinen Weg nach oben, genoss es, wie das Biest jedes Mal lauter grollte, wenn er seine Sporne hinein trat. Am Halsansatz blieb er stehen.
Mit einem wilden Schrei versenkte die beiden eisernen Zähne des Spreizers im Rücken der Bestie just in dem Moment, in dem Randrax offenbar den ersten ernsten Treffer hinnahm und nur noch einmal Mühsam wieder auf die Beine zurück fand.
„Angorox!“ schrie Gromburil den Namen seines Vaters, als er an den beiden äußeren Enden riss und, unter lautem Brechen und Getöse, die Rückenplatte der Bestie zwei Hand breit öffnete. Glühendes Magma spritze hervor und versengte ihm das Gesicht. War Lirox bereit?
Er war es. Polternd landete der andere Armbrustläufer neben ihm und rammte, mit der Wucht des dreieinhalb Metern langen freien Falls, seinen Speer tief in die frische Öffnung am Rücken der Kreatur. Sofort hängte sich auch Gromburil an den für ihn zugedachten zweiten Griff und trieb, mit seinem Gefährten zusammen, das lange Metallstück tiefer und tiefer in das Monster hinein.
Noch war es nicht tot, holte erneut zu einem letzten vernichtenden Schlag gegen den Axtkämpfer vor sich aus – doch dann waren sie tief genug. Ein letzte Knacken ertönte, der Körper verlor seine Spannung und fiel, qualmend, rauchend und Funken sprühend, in sich zusammen.
Stille kehrte ein in der Höhle.

„Nur ein Toter.“ meine Lirox trocken beim Anblick seiner zwei lebenden Gefährten. Sie lernten schon früh von ihren Eltern, die Toten erst zu beweinen, wenn sie wieder ihr Eisentor erreicht hatten. Jedes Bedauern zuvor bedeutete nur den Tod für weitere Gefährten. Randrax war schwer verletzt, stand aber noch. Man würde ihn vermutlich mühsam aus der halb geschmolzenen Rüstung schneiden müssen, aber sie hatten es geschafft. Indigniert bemerkte Gromburil, dass sein Mantel sich an einigen Stellen versteift hatte, wo die feinen Metallgelenke zu warm geworden waren. Das würde viel Arbeit für den Schmied werden.

Lirox aber bemerkte sie als Erste. Oben auf dem höchsten Absatz stand eine Gruppe Fremder. Alles seltsame, lange Gestalten. Einer besonders hager, spitze Ohren und eine unpraktische, dünne Kleidung. Einer in ein langes, wallendes, weißes Kleid gekleidet, das offenbar jemand bestickt hatte, der eindeutig zu viel Liebe für den flammenden Schild hatte, der Tag für Tag die oberirdische Einöde umkreiste. Und einer, naja, der zumindest eine halbwegs ernsthafte Rüstung trug, allerdings keinen Helm und insgesamt zu wenig Metall.
„Bei Praios!“ stieß das Mannweib in dem weißen Kleid hervor. Was für obskure Diener des Elementardrachen waren denn das?! Sahen aus wie die Söhne Karas‘, hager und schwach.
„Na gut,“ meinte Lirox, während er seine beiden kleineren Äxte flink vom Rücken löste, „wenn sie tanzen wollen…“
„…dann wollen wir mit ihnen tanzen.“ schloss Randrax.
Dieser Tag hatte wohl gerade erst begonnen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest. Wir lesen uns bald hier wieder, „Das zerschmetterte Land“ hingegen seht ihr dann im Januar bei uns auf der Webseite!

Viele Grüße,
Thomas

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